Die Terrorismus-Rhetorik verzerrt die Diskussion ...
Die PKK von der Terror-Liste streichen
Prof. Michael M. Gunter*, USA
Die jüngsten Ereignisse geben Anlass zur vorsichtigen Hoffnung, dass die Zeit zur Wiederaufnahme der direkten Verhandlungen zwischen der türkischen Regierung und der PKK gekommen ist. Seit Anfang April scheinen sich die Kontakte weiterzuentwickeln. In Silêmanî (Sulaimaniya) im irakisch-kurdisch regierten Nordirak ist bereits eine Delegation der BDP eingetroffen, um eine Botschaft Abdullah Öcalans an die in den Kandil-Bergen im Grenzgebiet zu Irak und Iran ansässigen Guerilla-Anführer der PKK zu überbringen 1. Ein solcher Brief wurde auch an die PKK-Europa-Führung geschickt. In diesen Briefen äußert sich Öcalan über einen Waffenstillstand, den Rückzug der PKK-Kämpfer aus der Türkei, die Freilassung von PKK-Gefangenen, die Entwaffnung von etwa 7 000 PKK-Kämpfern und ihre Reintegration in die türkische Gesellschaft sowie über Verfassungsreformen.
Der Friedensprozess in Südafrika
Der Weg von der Apartheid zur Demokratie – und ein Vergleich mit dem entstehenden Friedensprozess zwischen türkischer Regierung und dem Repräsentanten der KurdInnen Abdullah Öcalan
Essa Moosa, Anwalt Nelson Mandelas zu Zeiten der Apartheid und danach Verfassungsrichter in Südafrika
Ein zentrales Moment des Aufbruchs ist folgende weitsichtige Aussage Nelson Mandelas, die er aus der Haft zur Zeit seines Prozesses wegen Hochverrats im Jahr 1964 machte. Ihm drohte die Todesstrafe:
»In meinem gesamten Leben habe ich mich dem Kampf der afrikanischen Bevölkerung gewidmet. Ich habe gegen die Dominanz der Weißen, wie auch gegen die Dominanz der Schwarzen gekämpft und mich für eine freie Gesellschaft eingesetzt, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Rechten und Möglichkeiten zusammenleben. Das ist das Ideal für das ich lebe und das ich durchsetzen möchte. Aber wenn es sein muss, ist es auch ein Ideal für das ich bereit bin zu sterben.«
Rückzug der PKK hat begonnen – Doch wie geht es weiter?
Mako Qocgiri, Mitarbeiter von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 11.05.2013
Der Start des Rückzugs der kurdischen Guerillakräfte war weltweit in den Schlagzeilen aller Medien. Zu Recht, denn mit diesem Schritt bietet sich eine historische Möglichkeit für die Lösung der kurdischen Frage, einer der bedeutsamsten Fragen der gesamten Region. Doch nach diesem Schritt der PKK sollten nun die Augen auf die türkische Seite gerichtet sein. Wird die Türkei die Chance auf eine friedliche Lösung nutzen und den demokratischen Raum für die politische Teilhabe der Kurdinnen und Kurden eröffnen? Und welche dringenden Schritte müssen nun in Richtung einer nachhaltigen Lösung getan werden?
einleitende worte zum demokratischen konföderalismus
Entnommen aus der Broschüre: Demokratische Autonomie in Nordkurdistan: Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis
Im Folgenden soll ein schlaglichtartiger Blick auf die Idee des Demokratischen Konföderalismus geworfen werden. Viele Aspekte werden sich in den Interviews und Artikeln wiederfinden und dort teilweise noch vertieft. Uns geht es an dieser Stelle nicht um eine theoriekritische Auseinandersetzung mit dem Konzept, sondern darum, die ideologische Ausrichtung zu beschreiben, in deren Rahmen die autonomen Strukturen aufgebaut werden.
Die Neudefinition der Gesellschaft
Die Demokratische Nation
Abdullah Öcalan *
Eines der dringlichsten Probleme des Nahen und Mittleren Ostens ist die kurdische Frage. Die Perspektive Abdullah Öcalans und der kurdischen Freiheitsbewegung versteht sich allerdings nicht bloß als Lösung des ‚kurdischen Knotens‘, sondern bietet sich zugleich auch als Weg für die weiteren festgefahrenen politischen Probleme der Region an.
Diese Perspektive sieht nicht die klassische Methode, die Errichtung eines kurdischen Nationalstaats für die Region vor, denn die Errichtung neuer Grenzen bringt nur neue Probleme mit sich. Das Alternativkonzept Öcalans hierzu heißt Demokratische Nation, ein Konzept, welches als strategisches Ziel ein friedliches und demokratisches Zusammenleben der Völker formuliert. Dabei darf man den Begriff der Nation in der Demokratischen Nation nicht missverstehen. Dieses Konzept basiert nämlich weder auf einer Nationalität, einem Volk oder einer Ethnizität noch auf einer Klasse, einer Religion oder einer Sprache.
4. Ausgabe der Civaka Azad Infoblätter
Beiträge der internationalen Konferenz "Die Lösung der kurdischen Frage im zukünftigen Syrien"
Am 17. April 2013 waren wir gemeinsam mit dem Dialog-Kreis und Robert Schaddach (MdA, SPD) Mitveranstalter einer internationalen Konferenz im Berliner Abgeordnetenhaus mit dem Titel „Die Lösung der kurdischen Frage im zukünftigen Syrien – Ein Beitrag für Dialog, Demokratie und Frieden“.
In dieser Ausgabe präsentiert das Redaktionsteam der Civaka Azad Infoblätter die Dokumentation der Redebeiträge der Konferenz, sowie die Ergebnisse und Forderungen, die aus der Konferenz herausgehen.
Wir haben die Reden nach Mitschrift sinn- und inhaltsgemäß zusammengefasst oder digital eingereichte Beiträge sachgemäß gekürzt, um ihnen einen Überblick und tiefe Einblicke in das Thema und die auf der Konferenz geführten Diskussionen zu geben.
Von Türken, die im Schnee laufen und Geräusche machen
Cüneyt Özdemir* / Journalist und Kolumnist, 30.04.13
Jahrelang ist der Krieg der Republik Türkei (TR) gegen die PKK nicht nur in den rauen Bergen und den schroffen Felsen geführt worden, sondern er ist parallel dazu auch psychologisch mit Hilfe der Medien geführt worden.
Ich vermute, dass der erste Dienst, den der Friedensprozess leistet, der ist, dass über viele Themen, deren wir uns bewusst waren, aber nie zur Sprache bringen konnten, offen gesprochen wird. Beziehen wir die dutzendfachen Gespräche mit Führungskräften der PKK noch mit ein, dann kann sogar gesagt werden, dass die türkische Presse eine „Zeit der Aufklärung“ erlebt.
Aleviten: Die unterdrückten Anderen
Halil Dalkiliç, Journalist
Statt Interesse bei anderen ruft die ethnische Identität heutzutage – gerade wegen der radikalen Politisierung, die ihr zukommt – gesellschaftliche Kontroversen hervor. Menschen waren nicht in der Lage gewesen, ihre Identität frei zu leben, darum erfahren sie auch heute noch viel Leid. Sie werden heutzutage insbesondere in Regionen wie dem Mittleren Osten, in Afrika, in Vorder- sowie Südasien wegen ihrer ethnischen bzw. konfessionellen Zugehörigkeit umgebracht. Auch in der westlichen Welt bietet die Identität nun Anlass zu Hass und Vorurteilen. Die Motivation zur Konfliktaustragung, die den Identitäten originär nicht unbedingt eigen ist, beruht auf dem Geschick der Herrschenden, die Menschen entlang der bestehenden Unterschiedlichkeiten voneinander abzugrenzen und gegeneinander auszuspielen.
Ein Spiel, indem die Götter als Schiedsrichter fungieren
Ferda Çetin, Journalist, 14.04.2013
Wir reden über den Frieden. Nach so viel Kampf, Toten, Zerstörung, Tributen und Schmerz zu einem natürlichen und notwendigen normalen Leben übergehen. Fein, schön, aber wer hat diesen Krieg, der alsbald ein Ende finden sollte, überhaupt und weshalb begonnen?
In Lateinamerika akzeptiert die polytheistische Maya-Kultur die sozialen Beziehungen, die Kämpfe zwischen Menschen und Gesellschaften als Sache der Götter. Gute und Böse Götter sind immer im Clinch. Sowie Licht und Schatten, Leben und Tod nicht voneinander unabhängig sind, so ist die Zukunft der Menschen von den Gefechten nicht unabhängig.
Die Hethiter glauben, dass die Menschen die gleichen Attribute, wie die Götter besitzen.
Nach dem Beginn des Lösungsprozesses in der Türkei haben sich die Beziehungen mit der syrischen Opposition intensiviert
Salih Müslim im Interview mit Ezgi Basaran
Der Kovorsitzende der Partei der Demokratischen Einheit PYD und politische Vertreter der KurdInnen in Syrien, Salih Müslim, ist nicht nur ein wichtiger Mensch für die KurdInnen in seinem Land, sondern im gesamten Mittleren Osten. Denn die Ausrufung der Demokratischen Autonomie in Westkurdistan (Syrien) hat nicht nur die Beziehungen zu den Nachbarländern, sondern auch die mit der syrischen Opposition verändert. Im folgenden Interview geht Müslim auf den Demokratischen Konföderalismus, den aktuellen Friedensprozess in der Türkei und den Beziehungen zur syrischen Opposition ein.
Eindrücke: Gefeiert wurde der Triumph der Realität
Dr. Nazan Üstündag*
Partha Charterjee, Mitbegründer der „Subaltern Studies Collective“, einer sozialwissenschaftlichen Strömung, die, von Indien ausgehend, Lateinamerika, Asien und Afrika umfasst, schreibt in seinen Büchern von den antikolonialistischen Kämpfen der Völker.
Laut Chatterjee ist der Kampf gegen den Kolonialismus der gemeinsame Widerstand der Völker, die sich im Hinblick auf Klasse, Geschlecht und Glauben bekämpfen. Jede Gruppe hat Gründe, die Kolonialherren zu hassen. Sie wurden unterdrückt, getötet, ausgegrenzt und entwürdigt. Trotz ihrer selbst wurden sie definiert und ihre Realität wurde verheimlicht. In ihrem Gedächtnis sind die Leiden von Jahrhunderten, in ihren Körpern die Spuren, die die Ungerechtigkeit hinterlassen hat, in ihren Träumen sind die Kämpfer, die vor ihnen existierten.
Roadmap für die Lösung der kurdischen Frage

von Abdullah Öcalan
– Kurzfassung –
Die Roadmap ist ein außergewöhnliches Dokument. Sie bildete das Herzstück des geheimen Dialogprozesses zwischen Abdullah Öcalan und dem türkischen Staat, der 2009 begann und Mitte 2011 abgebrochen wurde. Auch für alle weiteren Gespräche ist sie von zentraler Bedeutung.
Öcalan definiert hier die für den Beginn eines wirklichen Friedensprozesses nötigen Schritte. Gleichzeitig skizziert er eine echte Lösung für die kurdische Frage. Jenseits traditioneller Lösungsmodelle wie Eigenstaatlichkeit oder territorialer Autonomie zeichnet er die Vision einer demokratischen Nation und einer gemeinsamen Heimat für alle Staaten, in denen Kurden leben – ja, für den gesamten Mittleren Osten. Indem er konventionelle Argumente entkräftet, schafft er Denkanstöße für sämtliche Parteien des Konflikts.
Internationale Initiative »Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan«
Aktuelle Meldungen
ISKU | Informationsstelle Kurdistan e.V.
-
Zozani: Es gibt keine positive Entwicklung in Hinsicht auf die erkrankten Gefangenen
Adil Zozani, BDP-Abgeordneter von Colemêrg (Hakkari), hat eine Presserklärung bezüglich des kranken Gefangenen Taylan Cintay abgegeben. Taylan Cintay ist einer der schwerkranken Häftlinge. Er befindet sich seit 15 Jahren im...
-
Friedensrecht – Kriegsrecht
Es scheint, dass wir eine Diskussion über das Recht haben. Ich sage „es scheint“, da es mal so aussieht als wenn und mal als wenn nicht. Auch die zuständigen Leute...
-
Mindestens 100 Menschen auf der Strecke zwischen Afrin und Aleppo entführt
In den Morgenstunden des 23. Mai sind auf der Strecke zwischen Afrin und Aleppo rund 100 Zivilisten durch die Mitglieder einer bewaffneten Gruppe, die zur Freien Syrischen Armee gehören sollen,...
-
Journalisten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt
Ibrahim Güvenç, ehemaliger Chefredakteur der kurdischsprachigen Wochenzeitung Azadiya Welat, ist am Mittwoch in Amed (Diyarbakir) zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Ihm wurde die „Verbreitung...
-
BDP-Delegation bereitet sich auf Imrali-Besuch vor
Die BDP wird in dieser Woche einen Antrag beim Justizministerium für eine Besuchserlaubnis auf Imrali bei dem inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan einreichen. Die BDP-Abgeordnete Pervin Buldan, die Teil der Delegation...
-
Notizen zum Rückzug der Guerilla
Zwei Guerillaeinheiten aus Nordkurdistan haben zwischen dem 14. und 15. Mai Kandil in Südkurdistan erreicht. Was haben diese Gruppen während ihrem Rückzug erlebt, was haben sie gefühlt als die Nachricht...
-
Kranker Gefangener nach Schlaganfall gestorben
Gestern starb Gürgin Kurt (63) im Gefängnis von Ahlat an den Folgen eines Schlaganfalls. Kurt litt schon lange unter Bluthochdruck und einer halbseitigen Lähmung. Er war unter dem Vorwurf der...
-
Duran Kalkan: Die Versprechen müssen gehalten werden
Duran Kalkan, Mitglied des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK), hat in einer Sendung von Nuce TV einige Aussagen zum gegenwärtigen Prozess getroffen. Zum momentanen Rückzug der Guerilla in...


